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Nordbayerische Mehrkampfmeisterschaft in Oberasbach am 08. und 09.06.2024


09.06.2024

Marie-Luise trat am vergangenen Wochenende zu ihrem ersten Siebenkampf an. Entsprechend groß war die Anspannung. Doch ihre Devise lautete „Kämpfen bis ans Ende“.
Sie startete am Samstag Früh mit dem Hochsprung die Jagd nach den Punkten. Auch wenn der nicht gerade zu ihren Liebslingsdisziplinen gehört, ging sie motiviert heran. Die Einstiegshöhe von 1,20 m bereitete ihr zwar ein flaues Gefühl im Magen, aber sie überwand diese und die folgenden Höhen bereits im ersten Versuch. Am Ende erreichte sie mit 1,32 m eine persönliche Bestleistung und konnte so zufrieden weiter zum Kugelstoßen gehen.

Auf diese Disziplin hatte sie sich mit am meisten gefreut. Das große Starterfeld wurde auf zwei Anlagen verteilt. Marie musste ohne Trainer Dieter auskommen, da er inzwischen bei Lissy zum Betreuen war. Doch mit Hilfe von Videoanalyse fand sie auch hier gut in den Wettbewerb. Bereits im ersten Versuch landete die Kugel bei 8,52 m, was nahe an ihrer Bestleistung ist. In den weiteren Versuchen konnte sie sich zwar nicht mehr steigern, doch auch hier erfüllte sie die Erwartungen, die in sie gesetzt wurden.

Bei den Sprintstrecken kam es zu einiger Verzögerung, weil der Rettungswagen einen Athleten abholen musste und dadurch die Bahn einige Zeit blockiert war. Marie hatte sich gut auf die anspruchsvolle Hürdentechnik vorbereitet. Die „Probehürde“ klappte prima und so konnte sie zuversichtlich an den Start gehen. Sie zeigte eine saubere Technik und überquerte die Ziellinie nach 15,64 s. Das war nur ein Hundertstel langsamer als ihr schnellster Lauf zuvor.



Kurz darauf ging sie wieder in die Startblöcke. Zu Beginn der 100 m legte sie einen Blitzstart hin und brachte sich so auf den ersten 10 Metern in Führung. Sie konnte ihr Tempo halten und kam wieder nur knapp über Bestzeit in 14,58 s ins Ziel. Auch die Athletin selbst war mit diesen Leistungen durchaus zufrieden und konnte sich auf die Pizza als Belohnung freuen. Und unser Dieter erst, genau nach seinen Vorstellungen lief dieser erste Tag.



Auch den zweiten Tag ging Marie in gewohnter Kämpfernatur an. Sie hatte den anstrengenden Vortag gut weggesteckt. Das Einspringen ließ auf eine gute Weite hoffen. Doch dann kam die Enttäuschung! Sie sprang im ersten Versuch einen halben Meter vor dem Brett ab und verschenkte dadurch wertvolle Zentimeter. Nach Rücksprache mit Trainer Dieter verkürzte sie den Anlauf und promt übertrat sie den zweiten Sprung, so dass dieser ungültig wurde. Nun hieß es erneut den Anlauf zu korrigieren. Marie lief an, traf das Brett exakt und landete bei 4,31 m. Eine respektable Weite für sie, die noch höher einzuschätzen ist, wenn man bedenkt unter welchem Druck sie stand. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass sie von der gleichen Marke wie im vorherigen Versuch angelaufen war. Ein glücklicher Zufall – alles richtig gemacht!

Nun sollte Marie mit dem Speer Punkte sammeln. Darauf hatte sie sich besonders gefreut. Das Aufwärmen und Einwerfen auf dem Nebenplatz lief reibungslos und war vielversprechend. Doch dann folgte der Schock für das ganze Stadion. Ein Mädchen, das bis dahin als Helferin tätig war, wurde von einem Speer am Rücken getroffen. Alle Sportler, Trainer und Zuschaucher waren wie erstarrt! Helfer eilten herbei, der Rettungswagen musste erneut gerufen werden und fast der komplette Sportbetrieb kam zum Erliegen. Maries Wettbewerb wurde verschoben und sie musste sich später erneut aufwärmen und auf den Speerwurf einstellen. Das gelang ihr allerdings so gut, dass ihr Gerät bereits im ersten Wurf bei 27,88 m landete. Drei Meter weiter als je zuvor. In ihrer Riege war das der mit Abstand weiteste. Angespornt von dieser Leistung legte sie im dritten Versuch noch eins drauf und ließ den Speer 28,33 m fliegen. Damit holte sie sich nicht nur wichtige Punkte, sondern auch ihre erste Bayerische B-Quali! Eine Hammer-Leistung!



Nun hieß es ausruhen, trinken, essen und Kraft sammeln für die abschließenden 800 m. Für Marie war es der erste Start über diese Strecke bei einem Wettkampf. Viele gutgemeinte Hinweise und Tipps der Betreuer prasselten auf sie ein. Dann kam das Kommando: „Auf die Plätze – Schuss!“ Marie brachte sich gleich zu Beginn des Rennens in eine gute Position im Mittelfeld. Auf der Gegengeraden setze sie erneut zum Überholen an. Doch genau in diesem Moment wollte auch die Läuferin vor ihr nach außen wechseln, um an den anderen vorbei zu gehen. Sie stolperte und Marie stürzte über die Konkurrentin. Doch unsere Marie hatte sich „Kämpfen bis zum Ende“ auf die Fahne geschrieben, rappelte sich auf und lief dem Feld hinterher, die in der Zwischenzeit an ihr vorbei gezogen waren. Sie lief mutig wieder heran, überholte sogar auf der ungünstigen Außenbahn in der Kurve und zog so an einigen Läuferinnen vorbei. Bis zum Ende der ersten Runde hielt sie ihr hohes Tempo, dann allerdings waren ihre Kräfte größtenteils erschöpft. Marie musste richtig beißen, doch aufgeben gehört nicht zu Maries Wortschatz. Auch wenn sie ein paar Läuferinnen wieder ziehen lassen musste, quälte sie sich über die Ziellinie. 3:09,03 Minuten standen am Ende auf der Uhr, eine respektable Zeit bei diesem Rennverlauf.



2936 Punkte sammelte Marie in ihrem ersten Siebenkampf und holt sich damit nicht nur die Oberfränkische Goldmedaille, sondern auch die zweite Bayerische Quali an diesem Tag.
Herzlichen Glückwunsch!


Lissy ist im Gegensatz zu Marie schon ein „alter Hase“ beim Siebenkampf. Sie freute sich schon im Vorfeld wieder die gute Stimmung im Hans-Reif-Sportzentrum erleben zu dürfen. Sie startete am Samstag mit dem Kugelstoßen. Auch sie musste hier ohne Dieter auskommen und sich auf ihre eigene Urteilskraft und Videoanalyse verlassen. Doch auch sie meisterte diese Herausforderung bravourös: Schon im ersten Versuch landete das 3-kg-Gerät deutlich jenseits der 10-m-Marke. Beim zweiten Stoß konnte sie sogar noch ein paar Zentimeter drauf packen und beendete die erste Disziplin als beste der U18 mit 10,89 m. Damit lag sie – wie Marie – nur knapp hinter ihrer Bestleistung.



Danach stand der Hürdenlauf auf dem Programm. Der Lauf vor Lissys Lauf musste aufgrund von Problemen mit der Zeitmessanlage mehrfach gestartet werden. Das führte zu Verzögerungen und steigerte die Nervosität der Athletinnen. Dennoch kam sie gut über die Hindernisse und lief nach 15,36 s ins Ziel. Das bedeutete neue Bestzeit und zweitbeste Zeit der Konkurrenz. Damit behauptete Lissy ihren ersten Rang auch nach zwei Disziplinen.



Für den anschließenden Hochsprung setzte sie sich eine Höhe von 1,50 m als Ziel. Das Einspringen gelang gut und so legte sie ihre Einstiegshöhe bei 1,41 m fest. Da viele Konkurrentinnen bereits viel früher anfingen, hieß es erst einmal lange warten. Alicia meisterte die ersten Höhen ohne Probleme. Wie gewohnt verbesserte sie ihre Technik erst, als die Latte höher gelegt wurde. Am Ende war sie mit 1,53 m durchaus zufrieden. Eine Mitstreiterin überwand sogar 1,62 m, wodurch sie unsere Lissy auf den zweiten Rang verdrängte.



Zum Abschluss des ersten Tages standen die 200 m auf dem Zeitplan. Auf diese Strecke hatte Lissy sich besonders gefreut, obwohl sie sie bislang erst einmal gelaufen war. Aufgrund ihrer Vorleistung wurde sie in den ersten und schnellsten Lauf eingeteilt. Sie kam gut aus den Blöcken und ging den Lauf schneller an als beim letzten Mal. Am Ende der Kurve war sie bereits knapp in Führung. Sie schaffte es, nicht zu verkrampfen, lief in sauberer Lauftechnik bis ins Ziel und erreichte so eine wahnsinnige Verbesserung ihrer Bestzeit um 7 Zehntel: 26,66 s ergaben 740 Zähler und brachten Lissy wieder komfortabel in Führung, da alle anderen Mehrkämpferinnen deutlich später ins Ziel kamen.



Nach diesem erfolgreichen Tag freute sie sich zusammen mit Marie noch mehr auf das Essen in der Stammpizzaria und den obligatorischen Besuch am Spielplatz danach.

Nach einem guten Frühstück startete Alicia diesmal ganz ungewohnt mit dem Speerwurf in den zweiten Tag. Wieder auf Videoanalyse angewiesen legte sie allerdings super vor. Gleich im ersten Versuch landete ihr 500-g-Gerät bei 30,11 m, also wieder nah an der Bestweite. Mit dem komfortablen Punkteposter konnte sie riskieren, was diesmal leider nicht zu einer Verbesserung führte. Mit der drittbesten Weite konnte sie ihre Führung ausbauen.



Vor ihrer früheren Lieblingsdisziplin, dem Weitsprung, hat Lissy mittlerweile ein bisschen Respekt. Im Mehrkampf, mit so vielen Disziplinen in den Beinen, gelingt teilweise der Weitsprung nicht mehr so gut. Mit einem Sicherheitssprung im ersten Versuch sicherte sie sich mit 4,73 m wertvolle Punkte. Doch zufrieden war sie damit nicht. Ein verkürzter Anlauf sollte sie näher an das Brett heran bringen. So landete sie beim zweiten Versuch bei 5,10 m. Diese Weite war schon eher nach ihren Vorstellungen. Da ein Fuß bei der Landung deutlich weiter hinten war, waren die Hoffnungen für den letzten Sprung hoch. Schneller Anlauf – klasse Sprung – aber leider übertreten. Dennoch lieferte sie wieder einmal den weitesten Satz der Konkurrenz ab und blieb so ungefährdet in Führung.



Die Rechnungen vom Vorabend wurden wieder aufgenommen. Lissys erster Platz bei der Nordbayerischen war nicht mehr in Gefahr, weil sie ein prima Punktepolster hatte. Aber da die vergangenen zwei Tage so gut gelaufen waren, kam auch die deutsche Quali in greifbare Nähe. Eine Zeit von etwa 2:34 Minuten würde reichen. Alicia war schon eine 2:32er Zeit gelaufen. Wie gewohnt war die Vorgabe „Keine vorbei lassen“ und an die starke Svea Krogmeier aus Roth hängen. Lissy forderte noch eine Zwischenzeit über die erste Runde, um eventuell die Geschwindigkeit noch anpassen zu können. Sie erwischte einen besseren Start als im letzten Jahr und war schon zu Beginn im Mittelfeld. Dann allerdings überholte eine Konkurrentin und sie war „eingesperrt“. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, überholte sie auf der „dritten Spur“ und hatte am Ende der ersten Kurve wieder ihre gewohnte Position hinter Svea inne. Die Zwischenzeit ließ hoffen. Nach 500 m allerdings musste sie etwas abreißen lassen, die Beine wurden schwer. Doch auch Alicia ist eine Kämpfernatur! Nur zirka 2 ½ Sekunden hinter der starken Läuferin kam sie nach 2:31,16 Minuten als Zweite ins Ziel.



Damit stellte sie nicht nur wieder eine Bestleistung auf, sondern gewann sowohl den Oberfränkischen als auch den Nordbayerischen Titel mit 4522 Punkten.
Die deutsche Quali (4450 P.) so früh in der Saison erreicht zu haben, war das Sahnehäubchen auf diesem Siebenkampf!